Die Geschichte des Hirtenfensters

Jeder, der schon mal im Johanneum war, kennt es, das Hirtenfenster. Bei der Johanneumstagung hat Hans Ade die Geschichte zur Entstehung des Leuchtkastens erzählt. Das Hirtenfenster hat eine bewegte Geschichte hinter sich, einen Krieg und einen Umzug. Wir freuen uns sehr, dass wir diesen Teil der Johanneumsgeschichte hier weitergeben dürfen!

Hans Ade erzählt:

Ich bin Jahrgang 1935, stamme aus Pforzheim in Baden, Schulabschluss 1949 Volksschule, Suche nach einer Lehrstelle als Maschinenbauer. Fand keine und nahm dann eine Lehrstelle als Glaser und Fensterbauer an, 3 Jahre Lehrzeit und beste Gesellenprüfung des Kreises.

1954 wurde ich ins Johanneum aufgenommen. 1955 in den Sommerferien brachte der Hausvater  Riesenbeck einen Karton mit farbigen Glasscherben in unsere Schreinerwerkstatt; dazu ein Bild, schwarz-weiß aus einer Zeitung. Darauf war "der gute Hirte mit einem Schaf" zu sehen und die Schrift als Rundzeile: "Suchen was verloren ist".
Er erzählte, dass dieses Bild als Oberlichtfenster  über dem Direktortisch im Speisesaal angebracht war und bei einem Fliegerangriff (wann weiß ich nicht mehr) zerbrach.

Ich ging an die Arbeit: erst der Fensterrahmen, alles Handarbeit. Wir hatten ja keine Maschinen in der Werkstatt. Dann die Vergrößerung des kleinen Bildes aus der Zeitung. Man hat davon ein Dia gemacht und das mit dem Projektor auf die notwendige Größe gebracht und auf Papier aufgezeichnet.

Von den Scherben waren nur noch der Kopf und eine Hand des Hirten verwendbar. Neben dem Wappenkreis war das Fenster mit  Jugendstilranken bemalt. Wir entschieden uns, diese nicht mehr zu rekonstruieren, sondern die damals moderne Art des Kubismus mit klarer Linienführung zu realisieren.

Nun besorgte ich bei verschiedenen Glasereien in Wuppertal die benötigten farbigen Glasreste aus Kathedralglas, dazu die Nutstreifen aus Blei und schwarze Farbe, die dauerhaft an Glas haften bleibt. (Wer hat das schon?) Lötzinn und den elektrischen Lötkolben "entwendete" ich in der "Elektrowerkstatt".

Dann ging die "Fummelei" (exakt, genau, haltbar und  vorlagengerecht)los. Man muss sich vorstellen: Da ist eine Sperrholzplatte 2 x 1,5 m; die liegt voll mit farbigen Glasscherben. Dazu das gezeichnete Bild in Originalgröße.
Jeder Scherben wurde exakt nach der Vorlage geschnitten, bis alles fertig war. Und siehe da, es hat (über 60 Jahre) bis heute gehalten.

Herzlichen Dank an Hans Ade: für die Geschichte, seine Arbeit an dem Fenster und die Erlaubnis zur Veröffentlichung!